!NS!DE RAC!NG diskutiert: Ist McLarens Zeit vorbei?

 

Ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Woche werfen wir einen prüfenden Blick auf die Uhr und fragen uns, ob der Zeiger für McLaren langsam zum Stillstand kommt.

 


McLaren hat in der Vergangenheit fraglos die Übergänge in verschiedene Epochen gemeistert. Etwa bei den Motorenpartnern. Immer wenn Allianzen endeten, kam etwas Neues und etwas Gutes. Nach Porsche folgte Honda, später Mercedes. Auch den Abgang großer Piloten konnten die Briten stets verkraften. Als Fittipaldi ging, kam irgendwann Lauda, danach Prost und Senna, dann Häkkinen, Raikkönen, schließlich Hamilton. Warum also sollte der Rennstall in Zukunft übermäßig an Boden verlieren?

Pro

Johannes Mittermeier: Am Ende vielleicht ein Abgang zu viel

 

Der Fall McLaren erinnert an das negative Vorbild Williams. Auch ein englisches Team, auch in Hülle und Fülle mit Tradition ausgestattet, auch ein glorreicher Vertreter der Formel-1-Historie. Doch eine ehrwürdige Geschichte hat noch nie die Gegenwart befeuert, und bei McLaren stehen die Zeichen auf Trouble. Aushängeschild Lewis Hamilton? An Mercedes verloren. Technik-Chef Paddy Lowe? Freigestellt, wohl ebenfalls bald in Stuttgart anzutreffen. Motorenlieferant Mercedes? Gerüchteweise vor dem Ausstieg. Spekulationen um eine Honda-Rückkehr verdichten sich. Und Hauptsponsor Vodafone? Hat seinen Rückzug bestätigt. Vielleicht ist es am Ende ein Abgang zu viel. McLaren braucht frisches Geld, muss gleichzeitig seine Ingenieurs-Abteilung neu koordinieren, einen starken Partner an der Motorenfront für die Turbo-Ära finden und den Verlust von Star-Pilot Hamilton kompensieren. Sergio Peréz hat Talent, aber ist bei weitem noch kein fertiger Rennfahrer. Immerhin könnte sich seine Verpflichtung nachhaltig auf dem Sponsorenmarkt  bezahlt machen. Der Mexikaner wird vom Telekommunikationsunternehmen Telmex gefördert - eine potentielle Erleichterung für den Finanzsektor des Teams aus Woking.

 

Auch bei Williams begann der Abstieg, als das Geld knapp wurde. McLaren zählt nominell zu den Top-Teams (und das zurecht), doch nennenswerte Erfolge sind einer Dürreperiode gewichen. Der letzte Fahrertitel gelang 2008, die letzte gewonnene WM der Konstrukteure gar 1998. Mit Ron Dennis schied vor einigen Jahren so etwas wie die personifizierte Überzeugungskraft aus dem operativen Geschäft. Diese Zäsur hat McLaren nie wirklich verkraftet. Dabei steht das böse Erwachen möglicherweise erst bevor.



 

contraAlexander Millauer: McLaren kennt sich aus

Auch wenn die aktuelle Situation bei McLaren durchaus Anlass zur Sorge bieten könnte, besteht langfristig für das Team keine Gefahr ins Mittelfeld abzurutschen. Dafür hat es einfach schon zu viel durchgemacht.

 

McLaren ist eins der Urgesteine der Formel 1. Seit 1966 dreht der silberne Boliden seine Kreise um die Strecken dieser Welt. Und die meiste Zeit davon fuhr man auch vorne mit. Warum also sollte sich das jetzt durch solche Kleinigkeiten wie den Abgang eines mit Sicherheit talentierten, allerdings keineswegs unersetzbaren Paddy Lowe ändern? Nun hat man eben einen Tim Goss an Bord. Der muss sich zwar erst einleben, hat allerdings ebensoviel Ideenreichtum und wird das Team nach vorne bringen. Abgesehen davon hat McLaren auch den Abgang eines gewissen Adrian Newey verkraftet, der dem Team damals zu mehreren Weltmeistertiteln und großen Erfolgen verhalf.

 

Für 2014 hat man zwar noch keinen Motorenvertrag in der Tasche, allerdings pfeifen schon die Spatzen von den Dächern, dass man ab besagtem Jahr wohl mit Honda-Motoren statt Mercedespower unterwegs sein wird. Zu glauben, dass man mit den Honda-Aggregaten langsamer sein wird als mit den jetzigen wäre komplett absurd, da die Karten ab 2014 durch den Wechsel auf Turbomotren neu gemischt werden. Im Gegenteil sogar: Honda und McLaren haben sogar schon Turbomotoren-Erfahrung gesammelt. In den 80er-Jahren fuhr McLaren nämlich mit Turbomotoren von Honda. Und war bekanntermaßen damals eine Macht für sich. Abschließend: Wer sich wegen des aufgelösten Webevertrages mit Vodafone Sorgen für die Zukunft von McLaren macht, dem sei gesagt, dass diese bereits einen großen Sponsorendeal für nächstes Jahr angekündigt haben.




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