F1: Alliot - Grosjeans französischer Vorgänger

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Philippe Alliot hat eines mit Romain Grosjean gemeinsam: Einen gewissen Ruf.

F1: Alliot - Grosjeans französischer Vorgänger

 von Michael Zeitler

 

Philippe Alliot hat eines mit Romain Grosjean gemeinsam: Einen gewissen Ruf.

| Enstone (!NS!DE-RAC!NG) - Romain Grosjean ist nicht der einzige, der als Crash-Pilot in der Formel-1 bekannt wurde. Einer seiner Vorgänger kommt auch noch aus demselben Land (Frankreich): Philippe Alliot. Beim 58-Jährigen war es weniger die Häufigkeit der Unfälle, sondern die Heftigkeit. Den übelsten Unfall, der auch auf der Internet-Videoplattform Youtube immer wieder angeklickt wird, war der Crash in Mexiko 1988. Damals fuhr Alliot einen Lola Ford für das Team des ehemaligen Renault-Rennleiters Gerard Larrousse. Beim Einbiegen auf die Start-und-Ziel-Gerade kam Alliot etwas zu weit nach außen in den Dreck, der Lola stellte sich quer, drehte sich auf die andere Seite der Strecke, hob über den Randsteinen ab und krachte gegen die Boxenmauer. Anschließend überschlug sich der Lola drei Mal, ehe er auf dem Dach zu liegen kam. Weder Alliot, noch jemand auf der anderen Seite der Boxenmauer wurde verletzt.

Ein anderes Mal, im Regen von Hockenheim, drehte sich der Franzose, nachdem er von Ayrton Senna überrundet wurde. Es waren Szenen wie diese, die Alliot nicht unbedingt den besten Ruf einbrachten. Aber auch statistisch hatte er dem nichts entgegen zutreten: 108 WM-Rennen zwischen 1984 und 1994 für RAM, Ligier, Larrousse und McLaren, aber nur sieben WM-Punkte. Beim Imola GP 1993 holte er mit Rang fünf seine beste Platzierung in der Formel-1, auf einem Larrousse Lamborghini.

Natürlich war Philippe Alliot kein schlechter F1-Fahrer, sonst wäre er nicht 108 Rennen gefahren. Aber er war eben auch kein Spitzenpilot, was durchaus auch daran liegen könnte, dass er erst sehr spät zum Motorsport kam. Erst nach dem Militärdienst, erst nach dem Studium der Politikwissenschaften – das er auch nutzte: Nach seiner F1-Karriere wurde Alliot unter anderem TV-Kommentator, gründete ein eigenes GT-Rennteam, aber ging eben auch in die Politik.

1975 stieg Alliot in die französische Formel-Renault ein. Erst 1978 wurde er mit dem BP-Team Meister, mit dem er dann in die französische Formel-3 ging. Er wurde Gesamt-Dritter, wechselte in die F3-EM und fuhr dort unter anderem für Oreca einen Martini Alfa Romeo. 1983 ging es mit einem Martini BMW in die F2-Europameisterschaft und obwohl gang große Resultate ausgeblieben waren, stieg Alliot in die Formel-1 auf. Bei RAM hatte er aber zumeist nicht konkurrenzfähiges Material. Nach zwei Jahren schien seine F1-Karriere schon wieder vorbei zu sein, aber Alliot ging zurück in die internationale Formel-3000, der F2-Nachfolgemeisterschaft und der GP2-Vorgängerserie. 1985 nur für ein Rennen im Ex-F1-Team BS Automotive, 1986 aber für eine geplante volle Saison mit dem Oreca-Team von Hugues de Chaunac. Alliot gewann den Lauf in Spa, fuhr die Saison aber nicht zu Ende, weil Guy Ligier ihn wieder in die Formel-1 holte: Als Ersatz für den verletzten Jacques Laffite.

Jetzt konnte Alliot auch erstmals etwas Talent aufblitzen lassen, sodass Gerald Larrousse ihn in seinen F1-Rennstall holte. 1987 wurde er WM-17., was er 1993 noch einmal erreichte. 1990 folgte noch mal eine Saison für Ligier, 1993 dann das Comeback, wieder mit Larrousse. Zwischendrin fuhr Alliot erfolgreich in der Sportwagen-WM für das Peugeot-Team, das vom heutigen FIA-Präsidenten Jean Todt geleitet wurde. Wie schon 1983 im Kremer Porsche gemeinsam mit Mario und Michael Andretti wurde Alliot 1992 und 1993 mit Peugeot und mit Mauro Baldi und Jean-Pierre Jabouille Dritter beim 24-Stundenrennen von Le Mans. Außerdem beendete er die Sportwagen-WM 1991 und ’92 als Dritter.

Die Kontakte mit Peugeot brachten Alliot auch ins McLaren-Team, wenn auch nur als Testfahrer. McLaren verwendete 1994 nämlich Peugeot-Motoren und als Mika Häkkinen wegen des Verursachens der Massenkollision in Hockenheim gesperrt wurde, durfte auch Alliot im McLaren Peugeot – der aber nicht konkurrenzfähig war – F1-Rennen fahren. Nach der Formel-1 fuhr Alliot verschiedene Disziplinen: Tourenwagen, GT, Eisrennen, 1998 sogar bei der Rallye Dakar.

Sein Bruder Franck Alliot leitet heute eine Kartstrecke, die den Namen Philippe Alliot trägt. Viele junge Kartfahrer wollen es wie Alliot in die Formel-1 schaffen. Für Alliot selbst waren immer Chris Amon und Graham Hill Helden.


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