F1: Teddy Yip - schillernder F1-Teambesitzer aus China

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Erinnerungen an den ehemaligen F1-Teambesitzer Teddy Yip.

F1: Teddy Yip - schillernder F1-Teambesitzer aus China

  von Michael Zeitler

 

Erinnerungen an den ehemaligen F1-Teambesitzer Teddy Yip.

| Shanghai (!NS!DE-RAC!NG) - Wird Paul Ip der neue Teddy Yip? Auch Ip kommt aus Hong Kong, auch Ip hat vor allem eines im Blut: Benzin! Sein KCMG-Team hat man schon in der Formel-Nippon sehen können, 2013 auch beim 24-Stundenrennen von Le Mans. KCMG wird in der LMP2-Klasse einen Morgan Nissan einsetzen. Als Fahrer steht unter anderem schon Alexander Imperatori fest – ein Schweizer, der aber in China lebt und zuletzt vor allem in Japan Rennen gefahren ist. Wenn die Finanzierung klappt, dann gibt es ein chinesisches Duell am Kommandostand, denn neben Ip plant auch Teddy Yip mit seinem Status-Team den Einsatz eines LMP2-Rennwagens. Noch ist die Finanzierung allerdings nicht gesichert. Status hat sich die Unterstützung vom IndyCar-Team HVM gesichert, dass ja Keith Wiggins gehört, 1994 und 1995 mit dem Pacific-Team auch in der Formel-1 Teamchef.

Und in die Formel-1 wollen sowohl Ip als auch Yip. Das Status-Team ist ein voll britisches Team, das KCMG-Team dagegen beschäftigt auch fast ausnahmslos Mitarbeiter aus China oder Hong Kong. Aber Yip Junior hat Formel-1 bereits in den Genen: Sein Vater Teddy Yip war wohl einer der schillerndsten Teamchefs, den die Formel-1 je gesehen hat. Vor allem war er aber eines: Mäzen für Rennfahrer durch und durch. Wo Yip alles seine Finger im Spiel hatte, ist nur schwer aufzuschlüsseln. Was eh ein Geheimnis bleibt: Wie viel Geld der Geschäftsmann aus Hong Kong in den Rennsport gesteckt hat: „Meine Frau würde mir die Kehle durchschneiden, wenn sie das erführe“, soll Yip einmal gesagt haben.

Was vor allem beeindruckend war: Der Lebemann kam erst im reifen Alter als Investor in die Formel-1: 1907 im indonesischen Sumatra von chinesischen Eltern geboren, war er schon gut 70, als er Ende der 70er Jahre in die Formel-1 kam! Aber er kam ja auch nicht aus heiterem Himmel in die Formel-1: Yip studierte in den Niederlanden, baute danach in Hong Kong ein wahrhaftiges Imperium auf: Hotels, Autohandel (er versorgte Thailand beispielsweise mit Alfa-Romeo-Autos), Reederei, Spielläden, ja sogar Freudenhäuser sollen von Yip kontrolliert worden sein. Sein Erfolgsrezept: Mild in der Methode, aber völlig unnachgiebig in der Sache. Yip wusste, was er wollte – und das holte er sich auch. Aber nie war er der knallharte Geschäftsmann, immer wieder war er für seine Partys und sein strahlendes Lächeln bekannt. Nur mit dieser Lebenseinstellung wurde er immerhin 96 Jahre alt. Vor zehn Jahren endete aber leider dieses Leben.

Das eben auch in den Motorsport führte. Mit einem Jaguar begann Teddy Yip selbst Rennen zu bestreiten. Motorsport in seiner Gegend war nicht unbedingt populär, aber Yip machte ihn eben populär: Er war einer der Initiatoren des Macau GP, der noch heute das F3-Highlight schlechthin ist. Yip wurde selbst 1963 Dritter bei diesem Rennen. Und oftmals Sieger als Teamchef, zum Beispiel auch, als Ayrton Senna 1983 die erste F3-Ausgabe des Macau GP im Ralt Toyota für sich entschied.

Da war Teddy Yip längst schon der große Mäzen im Rennsport. Dabei arbeitete er eng mit dem Teamboss Sid Taylor zusammen. Gemeinsam setzten sie einen Trojan Chevrolet in der Formel-5000 für Vern Schuppan ein. Als Schuppan im Ensign-Team von Mo Nunn in die Formel-1 aufstieg, wurde er weiterhin von Yip begleitet und gefördert. Aber das war längst nicht die einzige Baustelle von Yip: Er ließ sich auch in den USA nieder, unterstützte den späteren F1-Weltmeister Alan Jones 1976 in der US-amerikanischen Formel-5000. Der Einsatz des Lola Chevrolet lief bereits unter dem Namen Theodore Racing Hong Kong. Im selben Jahr stieg das Theodore-Team auch in die Formel-1 ein: Zunächst nur mit March-Kundenchassis. Geleitet hat die Einsätze Sid Taylor, gefahren ist Patrick Tambay.

1977 wurde dann das erfolgreichste Jahr von Theodore in der Formel-1: Patrick Tambay wurde mit einem Ensign Ford zwei Mal Fünfter: Beim GP der Niederlanden und beim Kanada GP. Weniger Erfolg hatte Yip beim Indy-500: Hier finanzierte er das Engagement von Clay Regazzoni im McLaren Chevrolet. Doch der schweizer F1-Haudegen kam nicht ins Ziel.

1978 hat Yip dann bei Ron Tauranac den Bau eines eigenen F1-Rennwagens in Auftrag gegeben. Der Theodore TR1 Cosworth wurde sogar zum Siegerwagen: Keke Rosberg gewann damit das nicht zur Meisterschaft zählende F1-Rennen in Silverstone, vor Emerson Fittipaldi (Copersucar Ford). In jenem Jahr kaufte sich Yip auch 50% des All-American-Racers Team von Dan Gurney. Damit war Yip auch Vollzeit in der IndyCar. Unter anderem griff er jetzt auch Al Unser unter die Arme. Die US-amerikanische Rennlegende war ein guter Freund von Yip und war dem auch bei dessen F1-Engagements behilflich. In der IndyCar brachten die Förderungen von Yip auch bald Erfolge. 1979 mit Mike Mosley auf einem Eagle Ford und 1981 mit Vern Schuppan auf einem McLaren Ford gab es zwei dritte Plätze beim Indy-500.

In der Formel-1 machte Yip sein Team vorerst wieder zu. Stattdessen wurde er 1979 Teilhaber bei Ensign. Das Jahr (unter anderem fuhr der Schweizer Marc Surer für Ensign) war schwierig und brachte keine Erfolge. Daneben unterstützte Yip den Öl-Millionär Walter Wolf mit dessen Team in der britischen F1-Meisterschaft, für das unter anderem David Kennedy fuhr. Kennedy fuhr 1980 dann auch bei Shadow in der F1-WM und der Irländer, der jetzt Yip Junior beim Status-Team behilflich ist, brachte Yip mit zu Shadow: Er kaufte das Team, das aber Ende 1980 endgültig zusperren musste.

Stattdessen machte Yip noch mal alles auf eigene Faust: Mit Sid Taylor und Julian Randles brachte er wieder das Theodore-Team in die Formel-1. Jo Ramirez, der später jahrelang Teammanager bei McLaren wurde, heuerte als Teammanager an, Tony Southgate als Konstrukteur, Patrick Tambay und Marc Surer als Fahrer. Aber Erfolge wollten sich einfach nicht wirklich einstellen. Auch nicht, nachdem man 1983 mit dem Ensign-Team fusionierte. Das Problem war: Die Turboära hat sich voll entfaltet – aber mit den PS-Zahlen schossen vor allem auch die Gelder nach oben, die jetzt für den Einsatz eines F1-Teams gebraucht wurden. Kleine Teams wie Theodore konnten daher einfach nicht mehr mithalten. Deswegen fuhr Theodore 1983 mit dem Venezuelaner Johnny Cecotto und dem Kolumbianer Roberto Guerrero auch das letzte Jahr.

Yip brachte das Theodore indes in der IndyCar an den Start, dem US-amerikanischen Pendant der Formel-1. 1982 und 1983 war Yip bereits Teilhaber bei Truesport (1982 zwei Siege mit Bobby Rahal) und Bignotti-Cotter. 1984 fuhren Jim Crawford und Bruno Giacomelli für Theodore, doch nachdem es auch in der IndyCar keine wirklich durchschlagenden Erfolge gab und Yip sich den 80 Jahren näherte, hörte er auf. Er blieb den Rennsport unter anderem mit der Organisation des Macau GP verbunden, aber auch mit der Förderung von F1-Piloten wie Eddie Irvine und Rubens Barrichello. Aber er trat immer mehr in den Hintergrund. Der Tenor der Weggefährten: Schade, denn Yip brachte Glanz in jede Hütte.

Sliderfoto: Izod IndyCar Series


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