Brief an...: Sebastian Vettel

Geschrieben von: Roland Schäfges.

War das Verhalten von Sebastian Vettel richtig? Herausgeber Roland Schäfges sagt Nein und schrieb den ersten "offenen Brief" an Sebastian Vettel. Der neuen, unregelmäßigen Serie auf !NS!DE-RAC!NG

Brief an...: Sebastian Vettel 

von Roland Schäfges

War das Verhalten von Sebastian Vettel richtig? Herausgeber Roland Schäfges sagt Nein und schrieb den ersten "offenen Brief" an Sebastian Vettel. Der neuen, unregelmäßigen Serie auf !NS!DE-RAC!NG.

 

.| Lieber Sebastian Vettel 

Du bist der Grund für eine neue, unregelmäßige, Serie auf !NS!DE-RAC!NG. Dein Verhalten brachte mich sehr lange und intensiv zum Nachdenken. Weil ich mich doch Arg über dich geärgert habe. Daher stellte ich mir die Frage: Wie kann man seine Meinung zu Personen im Motorsport äußern, ohne einen Kommentar zu schreiben?! Die Antwort ist ganz einfach! Ich schreibe (dir) einen offenen Brief.

Ich war, gerade zu Beginn deiner Karriere ein großer Fan deines Könnens. Ich kenne dich seit unserer Zeit im Kartsport. Du warst der beste von uns allen. Auch in der Formel BMW und Formel 3 warst du der beste, dominiertest nach belieben. In der World Series by Renault kamst und siegtest du! Und auch in der Formel 1 schlugst du ein wie eine Bombe. Dein Sieg 2008 im königlichen Park von Monza erfreute ganz Deutschland. „Ja, wir haben einen neuen Schumacher!“ jubelte die Nation. Dein junges, unverbrauchtes, sympathisches Lächeln, gepaart mit deiner frechen Art, eroberte, auch dank RTL und BILD, das ganze Land wie im Sturm. Großmütter wollten dich zum Enkel und die Teenager jubelten wie bei einem Popstar. Als du zu deinem heutigen Arbeitgeber gekommen bist, war Red Bull Racing ein sympathisches Mittelfeld-Team mit Achtungserfolgen. Ich sage nur „Formula Una“, „Red Bulletin“ sowie David Coulthard mit Superman Cape oder Stormtroopers als Boxencrew.

Mit dem Titel begann eine Veränderung... 
2009 änderte sich alles. Stormtroopers oder Capes verschwanden genauso wie die hübschen Mädels der Formula Una. Aus der Spaßtruppe wurde ein biederes, ernstes Motorsport-Unternehmen. Du und Red Bull eroberten in der zweiten Saisonhälfte die Macht auf der Rennstrecke. Dank der guten Startserie konnte Jenson Button seinen Titel zwar noch vor dir retten. Aber 2010 jedoch begannen deine Jahre. Dreimal Weltmeister wurdest du und eigentlich auch drei Jahre älter. Und eigentlich, wie ich an mir selbst festgestellt habe, da ja gleich alt, auch reifer! So dachte ich jedenfalls bis zum letzten Rennen in Malaysia.

Ich glaube dir einfach nicht, wenn du sagst, du hast die Funkansage deines Teams nicht gehört oder den „Multi 21“ Code nicht verstanden. Alleine schon, weil du ja gerne eigensinnig agierst. Stichwort „schnellste Rennrunde in Führung liegend“. Selbst wenn? Greift man ungefragt seinen Teamkollegen an, der das komplette Rennen in Führung gelegt hat. Wo man merken musste, das man so schnell normal nicht auf diesen auflaufen würde, würde dieser nicht bewusst langsamer machen? Möchte man nicht dessen Gunst sichern, einem selbst zu helfen, wenn man im harten Kampf um den Titel seine Hilfe benötigt?

Langfristig richtige Entscheidung? 
Sebastian, du hast es einfach verbockt. Der Ehrgeiz der Beste zu sein, ist sicherlich richtig und gut. Du bist auch als Fahrer der Beste. Jedoch nicht der kompletteste. Fairness, Sportsgeist, Ehrlichkeit und Demut gehören zu den wichtigsten Eigenschaften eines großen Sportlers. Daher passt dein „Helm-Wechsel-dich“ irgendwie auch zu dir. Hochmut kommt vor dem Fall sagt ein altes Sprichwort. Du hast leider der Welt gezeigt, dass du nicht im Besitz solcher Charaktereigenschaften bist. Willst du wirklich auf diese Art einen Weltmeistertitel erobern? Unsympathisch und ohne Profil? Ein Stirling Moss ist heute noch gefragt, weil er der Inbegriff eines britischen Gentleman ist. Du liebst doch England und den englischen Sportsgeist. Wieso übernimmst du nicht diesen Charakter? Auch dein großer Freund und Förderer Michael Schumacher hatte seinen roten Helm als Markenzeichen und stellte sich immer vor sein Team.

Im Interview sich zu entschuldigen und zeitgleich zu bekräftigen es wieder zu machen, ist geheuchelt und ein falsches Signal! Teamorder ist für einen Sportler natürlich nicht toll. Aber wer bezahlt das ganze? Wer hat dich gefördert? Dankt man es auf diese Art? Überhört man diesen Funkspruch ohne schlechtes Gewissen? Oder Frage mal bei deinem Freund Michael nach. Ohne ein gutes Auto ist auch der beste Fahrer nichts Wert. Zweifelst du daran, gute Chancen auf den Weltmeistertitel 2013 zu haben?

Auf der anderen Seite: Es ist sicherlich schlecht für den Sport wenn Positionen getauscht werden, wenn es auf Anweisung passiert. Jedoch gab es schon Beispiele in der Geschichte der Formel 1, wo Fahrer dies aus eigenen Antrieb taten. Würdest du jemals einen anderen Piloten gewinnen lassen? Weil du es willst? Aus Dank oder Zuneigung? Es wäre eine große und faire Geste gewesen, deinen Teamkollegen gewinnen zu lassen. Als dreimaliger Titelträger mit 25 Jahren müsste man über den Dingen stehen. Mal fünf gerade sein lassen. Und die Intelligenz zeigen, die du zweifelsfrei hast! Auch ein Senna lies einen Berger gewinnen und ein Schumacher einen Barrichello oder Irvine. 

Ganz Ehrlich: Du wirst sehr viele Fans verloren haben und dein Image wird leider einen irreparablen Schaden bekommen haben. Und ob dir Mark Webber nicht sogar noch ins Auto fährt oder zumindest dir die Hilfe verweigert, ist auch noch nicht entschieden. Einen Fan hast du auf jeden Fall verloren. Mich! Alleine schon wegen deiner unehrlichen Entschuldigung und deinem Verhalten nach dem Rennen. Und die Ironie ist, das Nico Rosberg mich genau auf diese Art gewinnen konnte. Trotz besserem Auto, und obwohl er auch nicht erfreut war, blieb er hinter dem Kollegen und bewies damit großen Sportgeist und ausgesprochene Fairness. Du hast dich selbst beschädigt mit dem Verhalten vor Ort und den (leider teils peinlichen) Aussagen danach.

Manchmal liegt der Sieg in der Niederlage. Jetzt sagt jeder, dass nach diesem Rennen keiner mehr fragen wird, wenn du den Weltmeistertitel gewinnen solltest. Aber solche Szenen vergisst die Formel 1 nicht. Über diese WM wird immer diese Szene stehen. Und die Frage, ob man sich so eventuell einen Titel ergaunern musste...

Mit herzlichen Grüßen
dein Roland Schäfges  

 

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