!NS!DE RAC!NG diskutiert: Braucht es ein neues Qualifying-Format?

 

Ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Woche schauen wir besorgt auf den Samstag in der Formel 1. Stell dir vor, es ist Q3 und keiner fährt mit...


 

| Die Ampel sprang auf grün, aber nichts rührte sich. Gut, als die Top Ten des Qualifingys die Pole Position ausfechten sollten, nahm Sebastian Vettel den Asphalt zügig unter die Räder - jedoch nur, um es bei einer Runde in gemächlichem Tempo zu belassen. Jenson Button tat es ihm später gleich, Nico Hülkenberg geizte ebenfalls mit Präsenz. In sieben der zehn Minuten des letzten Quali-Segments passierte gelinde gesagt: Nichts. Erst auf den letzten Drücker erfüllten sie ihre Pflicht, eine fliegende Runde pro Mann, das war‘s. Keine ganz neue Entwicklung, aber eine unschöne. Muss der Quali-Modus umgewälzt werden, damit wieder für mehr Action gesorgt wird?

Pro

Michael Zeitler: Quali und Rennen getrennt


Was haben wir schon alles für Quali-Formate in der Formel-1 gesehen? Da gab es am Freitag und am Samstag ein Training und die schnellsten Zeiten von beiden Tagen wurden für die Ermittlung der Startaufstellung herangezogen. Dann gab’s nur noch das Samstag-Quali, dann das Einzelzeitfahren – jetzt den KO-Modus. Der Modus an und für sich ist ja eigentlich nicht schlecht. Nur: Das Quali und das Rennen müssen zwei verschiedene paar Stiefel sein. Seit Jahren versucht man durch das Reglement die strategischen Spielchen schon im Qualifying beginnen zu lassen: Erst mit der Spritmenge (die Fahrer mussten mit dem Benzin ins Rennen gehen, mit dem sie sich qualifiziert haben), jetzt mit den Reifen (es muss mit den Pneus gestartet werden, mit denen man sich qualifiziert hat).

 

Genau das ist für mich aber ein grundfalscher Weg. Wir brauchen gewiss keine Quali-Motoren mehr, die nochmal rund hundert PS mehr hatten als die Rennmotoren. Aber das Quali muss wieder seinen eigenen Reiz ausmachen. Wir brauchen wieder ein Quali, wo man sich hinterher wundert: Wahnsinn, wie der Fahrer wirklich alles aus seinem Auto rausgequetscht hat. Da war Ferrari 2002 so dominant, aber auf Pole-Position fuhr dann doch immer wieder der superschnelle Kolumbianer Juan-Pablo Montoya mit seinem BMW Williams. Wir brauchen wieder Qualis, die Quali-Genies wie Ayrton Senna hervorbringen.

 

Das KO-System wäre dazu zwar durchaus geeignet, aber mal ehrlich: Eigentlich ist vorher schon klar, wer in Q1 ausscheidet und wer es ins Q1 schafft. Und dann fahren eh nur noch ein paar Autos, die anderen Fahrer sparen Reifen. Nein, mir gefällt ein Vorschlag von Michael Schmidt (Auto, Motor und Sport) sehr gut: KO-System ja, aber bitte es scheidet einfach alle zwei Minuten der Langsamste aus. Vielleicht nicht alle zwei Minuten (das reicht nicht, um neue Reifen zu holen), aber vielleicht alle fünf Minuten die langsamsten zwei bis drei Fahrer. Dann wäre durchgehend Spannung garantiert.

 

 

 

contra

Johannes Mittermeier: Nicht das Format ist das Problem

 

Ein Blick auf die ständig geänderten Qualifying-Modi in den Jahren 1995 bis 2003 wirkt eher abschreckend denn verführerisch. Zwölf Runden in 60 Minuten können sich in die Länge ziehen, über die Attraktivität des Einzelzeitfahrens brauchen wir nicht viele Worte verlieren. Gerade für die Fans an der Strecke war das ein Bild des Elends. Die jüngere Vergangenheit hilft demnach nicht weiter.

 

Das K.o.-System gibt es seit der Saison 2006. Das Prinzip bringt alles mit, um Unterhaltungswert, Spannung und viel Fahrbetrieb zu provozieren: Durch wechselnde Umstände (Regen, Temperaturstürze, gelbe Flaggen) und eine sich verbessernde Piste stützt mehr als das halbe Feld seine Hoffnungen auf instabiles Fundament. Da die Schwächsten ausscheiden, spitzt sich der Kampf um die begehrtesten Plätze auf eine übersichtliche Anzahl von zehn Piloten zu. Ein Selektionsverfahren als prima inszeniertes Bühnenstück. Drama, Baby!

 

Wären da nicht die Reifen. Immer wieder diese Reifen. Viele klagen, manche schweigen, wenige kommen mit ihnen zurecht. Und über allem schwebt die Sinnfrage: Ist das (noch) Rennsport?

 

Ich als Motorsport-Fan möchte den Besten vorne sehen, sprich den Schnellsten, nicht denjenigen, dem ein besonderes Talent für einen überempfindlichen Umgang mit Pneus in die Cockpit-Wiege gelegt wurde. Doch genau dort liegt der Ärger über das Qualifying begründet. Weil jede noch so kleine strategische Überlegung den Reifensektor zumindest streift, richtet sich alles auf das Rennen am Sonntag aus. Da werden die Punkte verteilt. Etwaigen Vorwürfen für den überschaubaren Fahrbetrieb fehlt der Nährboden, im Grunde ist es nur verständlich, im Sinne der Renntaktik zu handeln. Für die Zuschauer aber ist dieser Zustand von höchst unbefriedigender Natur. Wenn sich selbst das Weltmeisterteam mit Platz neun begnügt, um für den Grand Prix Reifen zu sparen, muss endlich reagiert werden. Mehr Reifensätze für ein Rennwochenende, freie Wahl beim Start, langlebigere Pneus. Dann gewinnt nicht nur der Fan, sondern auch der Motorsport - was nötig wäre, denn momentan werden Qualifying und Pole Position immens entwertet.

 

Das Problem ist dabei nicht das K.o.-System. Es ist schwarz und knapp und bröselig.

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