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IndyCar: Long Beach - Sato siegt im Krimi

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IndyCar: Long Beach - Sato siegt im Krimi

 von Roland Schäfges & Alexander Millauer

Sato gewinnt als erster Japaner ein IndyCar Rennen. Und dann ausgerechnet das Rennen in Long Beach!


Sato ganz oben| Long Beach (!NS!DE-RAC!NG) - Zum bereits 39. mal wurde an der Ostküste der USA, ganz in der nähe von Los Angeles, der Toyota Grand Prix of Long Beach ausgetragen. Wie immer bei besten Wetter wurde die größte US-Amerikanische Sportveranstaltung in einer Innenstadt ausgetragen. Die offiziell 3,167 Kilometer lange Strecke mit 12 Kurven verspricht meistens viel Action. Und auch die 2013er Auflage sollte, mit allem voran den „Firestone Fast Six“ aus dem Qualifikationstraining um Franchitti (1,07.2379 min), Hunter-Reay, Will Power, Takuma Sato, Mike Conway und Helio Castroneves dieses Versprechen halten.

Das dabei am Ende der Japaner aus diesem Sexteet jubeln konnte, überraschte zwar, jedoch zeichnete es sich bereits im Warm-Up ab. Dort erreichte er die Bestzeit. 

Der Start zum Klassiker am Pazifik verlief dabei noch einigermaßen ruhig. Das 27 Mann starke Feld um Pole-Mann Franchitti bog Unfallfrei in die ersten Kurven. In der Rechts an der „Pine Ave.“ kollidierte dann der vom letzten Startplatz kommende Scott Dixon mit Marco Andretti, welcher ebenfalls aus der letzten Reihe gestartet ist. Beide konnten das Rennen nach einem Not-Boxenstopp wegen eines Nasenwechsel wieder aufnehmen.

In der dritte Runde dann der erste Schockmoment des Rennens. Sabastian Saavedra schießt nahezu ungebremst im hinteren Streckenteil nach der Gegengeraden in die Mauer. Die Rennleitung entscheidet sofort auf Gelb zu schalten. Zu jenem Zeitpunkt führte Franchitti noch vor Champion Hunter-Reay und dem sehr starken Sato. Auch der Restart in Runde acht endete daran vorerst nichts.

Die Action begann nach 20 Runden.

Die folgenden 25 Runden verliefen dann, mit Ausnahme einiger Boxenstopps und belangloser Zweikämpfe relativ ruhig. Sato holte stetig auf den immer noch in Führung sich befindlichen Franchitti auf. Mittlerweile lag der Abstand zwischen den Beiden bei 1,5 Sekunden. Während Sato bis auf 1 Sekunde an Franchitti ranfahren konnte, musste JR Hildebrand die Box aufsuchen um die Nase zu wechseln. Diese er bei einem Zwischenfall, welcher nicht von den TV Kameras eingefangen wurde, beschädigt hatte. Nach einer Reihe von weiteren Boxenstopps, bei denen die meisten auf die harten Reifen wechselten, hatte Leader Franchitti Probleme an seiner Ganassi-Box. Dadurch verlor er viel Zeit und die Rennführung.

Auf der Strecke kam es währenddessen zu einem unerbittlichen Kampf zwischen Tagliani und Kimball. Seit der Ausfahrt aus der Box lieferten Sie sich diesen und gaben sich dabei kaum Platz. Schon bei den zahlreichen Überholmanövern haben sie sich einige Male berührt. Dann passierte das, was kommenden musste. Schlussendlich verbremste sich der Engländer eingangs von Turn 8 und fuhr über die Kurve hinaus, weswegen er Tagliani mit in den Reifenstapel drückte. Was folgte war die dritte Full Course Yellow. Sowohl der Kanadier als auch der Chip-Ganassi-Pilot konnten das Rennen fortsetzen. Da die Fahrzeuge von Streckenposten aus dem Reifenstapel gezogen wurden und, entgegen dem ersten Eindruck, keinen größeren Schaden nahmen. Durch den verpatzten Boxenstopp von Franchitti zu beginn hatte Sato mittlerweile die Führung übernommen. Zudem lagen die (Reifen-)Vorteile beim nun folgenden Restart beim Japaner, da dieser im Gegensatz zu seinen beiden Kontrahenten auf den Plätzen zwei und drei, auf den weicheren „Options“ unterwegs war. Die nächste Full Course Yellow ließ allerdings nicht lange auf sich warten, da Hinchcliffe beim Start viel zu optimistisch innen in die erste Kurve, fuhr und damit die Dallara-Honda von Vautier und Pagenaud in die Reifenstapel des „Aquarium Way“ schickte. Schlimmer als seine beiden Opfer erwischte es allerdings den Täter selbst, dieser musste das Rennen nämlich beenden, da das Auto zu stark beschädigt wurde.

... und immer wieder kam die gelbe Flagge raus!

Da beim folgenden Restart alles glatt ging und nun ein wenig Ruhe ins Feld gekommen war, fiel beim durchblicken der Reihenfolge was bemerkenswertes auf. Es existierte kein Penske in den Top Six. Wenn man nun einen Blick in die Gesichter der Penske Verantwortlichen um US-Rennsportlegende Roger Penske hätte werfen können, es wäre mit Sicherheit kein schöner Anblick gewesen. Zu jenem Zeitpunkt belegten diese gerade mal die Positionen 8,16 und 21. Schöner anzusehen, sicher auch für die Penske-Crew, waren allerdings die vielen Duelle, die gerade im ganzen Feld stattfanden. Doch diese wurden jäh durch Champion Ryan Hunter-Reay unterbrochen, der sich nach einem Verbremser im Reifenstapel des „East Seaside Way“ wieder fand und damit eine weitere Caution auslöste. Im Interview erklärte der Andretti-Piloten, „dass dort das ganze Rennen kaum Grip gewesen sei“ und man sowieso „über das ganze Wochenende keine gute Balance hatte“. Kämpferisch sagte er Gegenüber dem NBC Sports Network, das man in Brasilien wieder angreifen würde.

Die Runden hinter dem Sicherheitswagen, einer schönen Chevrolet Corvette, wurde unter anderem vom immer noch Führenden Sato für Boxenstopps genutzt. Der ehemalige Grand Prix Fahrer reagierte Clever und lies auf die weichen Reifen umsatteln. Gleichzeitig kam es zu einem kuriosen Zwischenfall an den Boxen. Ein zuständiger Mechaniker von Vautier hatte wohl den hereineilenden Power übersehen, weswegen dieser dem mehrfachen Vizemeister einen harten Stoß verpasste, welcher dazu führte, dass der Motor am Auto des Australiers neu gestartet werden musste. Eine klare „Unsafe Release“ vom Team des US-Amerikanischen Gegenstück von Frank Williams, Sam Schmidt.

Währenddessen hatte sich auch Rückkehrer A.J. Allmendinger mit einem technischen Defekt aus dem Rennen verabschieden müssen. Fast alle Piloten die während dieser Caution die Box aufsuchten, wechselten auf die rotmarkierten weichen Reifen. Aus den Top 20 pokerte nur Kanaan und zog stattdessen die harten Reifen auf. Er rechnete damit, dass die weichen im Laufe des Rennens abbauen würden und er dann mit den harten im Vorteil wäre. Dieser Wunsch würde allerdings nicht in Erfüllung gehen. Auch beim folgenden Restart bei noch 25 zu fahrenden Runden, fand sich ein weiterer Teilnehmer im Reifenstapel wieder. In diesem Fall handelte es sich um den bereits in diesem Rennen Crash auffällig gewordenen Charlie Kimball. Der Ganassi-Junior konnte jedoch ohne größeren Schaden weiterfahren. Ungeachtet der Kameras fuhr die von Startposition 20 kommende Schweizerin Simona de Silvestro ein äußerst starkes Rennen, an dessen Ende sie sich auf Position 9 wieder finden sollte.

Reifenpoker von Kanaan ging nicht auf.

Nach dem abermaligen Restart war die Luft aus dem Rennen allerdings etwas raus, da die Abstände fast überall im Feld konstant blieben und es zu keinen größeren Zweikämpfen mehr kam. Auch Kanaans Poker auf die harten Gummies zu gehen, erwies sich in diesen Rennen als falsch, da die weichen Reifen nicht wie erwünscht abbauten, was sich vor allem an Spitzenreiter Sato zeigte, der seinen Vorsprung auf Graham Rahal immer weiter ausbaute. Sensationell war auch, dass sich der 24. des Qualifyings, nämlich der ehemalige Minardi-Pilot Justin Wilson, mittlerweile auf Position 3 befand. Nach einem letzten Zwischenfall in der letzten Runde in Turn 1, bei dem Kanaan verzweifelt wegen seines Pokers Servia abräumte, begannen die letzten, triumphalen Runde für den Ex-F1-Piloten Takuma Sato, der jetzt vollkommen auf Siegkurs lag.

Nach 80 Runden vor den Toren von Hollywood und in Sichtweise der Queen Mary I, konnte der sympathische Japaner nach langen 54 Rennen und zwei Podien im Vorjahr seinen ersten Indycar-Sieg feiern! Es war zudem auch der erste Sieg eines Japaners in der 100-jährigen Gesichte des US-Amerikanischen Champcar / IndyCar Formel Sport. Auf dem zweiten Platz landete eine ebenfalls starker Graham Rahal vor Justin Wilson. Ein besseres Finish auf einem ehemaligen Formel-1-Kurs von Long Beach hätte sich kaum jemand ausdenken können: Zwei ehemalige F1-Piloten und der Sohn eines F1-Piloten auf dem Treppchen des Toyota Street Grand Prix! Und natürlich Takuma Sato, Liebling aller Formel 1 Fans und Hondas Exportschlager, der heute ganz im Mittelunkt der US-Medien und sicher auch der aus dem fernen Nippon stehen wird. "Das ist einfach fantastisch. Ich kann keine Worte finden", stammelte Sato in der Victory Lane in die Kameras des US-Fernsehen. "Das Auto, die Strategie und die Boxenstopps waren perfekt. Eigentlich war es ein einfacher Sieg, weil endlich einmal alles zusammengepasst hat", so der Japaner, der erst im Vergangenen Winter von Rahal zu Foyt gewechselt hat.

Die Top-Teams gehen leer aus

Kein Jubel gab es wie angesprochen bei der Chevrolet Speerspitze Penske. Mit den Plätzen 10 (Castroneves) und 16 (Power) sowie dem technischen Ausfall von AJ Allmendiger erlebte das TopTeam der IndyCar einen Tag zum Vergessen. Auch bei Ganassi dürfte man mit den Plätzen vier und neun von Franchitti und Dixon sowie dem Ausfall von Kimball weniger zufrieden sein. Einen total Ausfall erlebte die Meistertruppe um Ex-Formel-1-Pilot Michael Andretti. Mit Ausnahme von Sohn Marco schieden Viso, Hunter-Reay und Hinchcliffe aus. Ins Bild der Underdogs passte auch, das neben de Silvestro (Platz 8) mit Hildebrand (Platz 5) sowie Pagenaud (Platz 7) zwei weitere Mittelfeld-Teams in die Punkte fahren konnten.

Sieger des Tages war jedoch das Team von A.J. Foyt, welcher selbst den ersten Sieg seines Teams seit seligen IRL Tagen, damals herausgefahren im Juli 2002 in Kansas durch Airton Daré, nicht vor Ort erleben konnte. Der 78-jährige texanische Teambesitzer war beim ersten Sieg seiner Neuverpflichtung  nicht vor Ort, da er sich Mitte dieser Woche einer Hüftoperation unterziehen musste. Daraufhin angesprochen versprach Sato: "Ich wünschte er wäre jetzt hier, aber ich werde ihn sofort zu Hause anrufen".  Nach diesen Worten mit japanischer Flagge in der Hand, durfte er zum ersten Mal seit dem Formel 3 Marlboro Masters 2001 in Zandvoort wieder die oberste Stufe eines Siegerpodests und zum ersten Mal die des traditionsreichen Long Beach Grand Prix besteigen. RS / AM


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