Nachruf: Hart aber Herzlich - der Motorsport trauert um Ali Schatz

Nachruf: Hart aber Herzlich - der Motorsport trauert um Ali Schatz

von Roland Schäfges

Alfred "Ali" Schatz, über 30 Jahre Rennleiter auf dem Nürburgring, verstab am Sonntag überraschend in Mayen!

| Mayen (!NS!DE-RAC!NG) - Der internationale Motorsport verliert sein nächstes, prägendes Original. Einer der bekanntesten und berüchtigten Rennleiter der Nürburgring Geschichte und einer der wichtigsten deutschen Motorsportfunktionäre verstarb am 21. April für alle plötzlich und unerwartet im Alter von nur 74 Jahren in seiner Heimatstadt Mayen.

Aber diese Meldung alleine würde Alfred Schatz, den alle nur „Ali“ riefen nicht gerecht werden. Schatz liebte und lebte den Motorsport und seinen Nürburgring über alles. Bis zu seinem nun überraschenden Tod war er aktives Vorstandsmitglied des von ihm stark geprägten AC Mayen. Es gab keine vom Mayener Automobilclub ausgeschriebene Veranstaltung in den letztem 48 Jahren auf dem Nürburgring, in welchem Schatz nicht einen entscheidenden Einfluss hatte. Das gerade er wie kaum ein anderer den Mythos Nürburgring, spezial in den politisch stürmischen 70er und 80er Jahre entscheiden prägen würde, wie kein anderer, hätte er 1958 bei seinem ersten Rennbesuch als faszinierten Fan an der grüne Hölle sicher nicht ausmalen können.

Aber der Reihe nach: Der Ende der 1930er Jahre im ukrainischen Odessa geborene und im Sauerland aufgewachsene Schatz kam im Jahr 1962 durch die Bundeswehr in die Mayener „General Delius-Kaserne“. In der Eifel wurde er dann bis zum heutigen Tage heimisch. Schnell hatte er sich privat wie auch in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht etabliert. Der damalige Sportleiter Heinz Hennerici holte den Mitte 20-jährigen Motorsportfan zum AC Mayen. Dort wirkte Alfred Schatz seit 1965 im Vorstand, 31 Jahre lang als Sportleiter und zwei Jahre als zweiter Vorsitzender, aktiv und mit vollem Herzblut mit. Im Jahr 1998 schaltete er auf eigenen Wunsch einen Gang zurück und gehörte fort nun an dem erweiterten Vorstand an. Zeitgleich wurde er zum einzigen Ehrensportleiter ernannt.

“Erfinder“ vieler wichtiger Veranstaltungen

 Sein Motorsportliches Erbe ist enorm. „Der Ali war ein wichtiger Förderer und Freund der deutschen Formel 3. Gerade in den 70er Jahren prägte er, auch mit dem Eifelland-Team, die Geschicke unserer Serie doch entscheidend und trug dazu bei das Sie eine hohe Bekanntheit erreichen konnte.“ So ein bewegter Bertram Schäfer, 1. Vorsitzender der deutschen Formel 3 Vereinigung auf !R Nachfrage. Was Schäfer meinte. Schatz erfand sozusagen die Formel 3 in Deutschland. Bereits 1969 schrieb er den ersten EM-Lauf aus. Bereits zwei Jahre später hatte er ein Feld mit über 100 Autos auf der Nordschleife. Rekord! 


Auch war er „Erfinder“ vieler wichtiger Veranstaltungen der Eifelstrecke. Sei es als uneingeschränkter Boss des legendären Truck Grand Prix, entstanden nach einem Spaßrennen mit Team-LKW´s, als Erfinder des ADAC Super Sprint auf der 2,3 Kilometer langen Betonschleife des Nürburgrings („Damit die Zuschauer die Autos so oft wie Möglich sehen“) oder seines 300km Rennen. Auch war er auf entschiedener Position beim Super Tourenwagen Cup und der Deutschen Rennsportmeisterschaft aktiv und führend dabei. Daneben war er diverse mal als Rennleiter beim Formel 1 WM Rennen und sieben Mal bei den legendären 1000km Rennen der Sportwagenweltmeisterschaft auf seiner Nordschleife aktiv. 
Der im „echten Leben“ als Kompanie- bzw. Stabsfeldwebel und Fahrlehrer aktive Schatz war eine sehr geschätzte und respektierte Person im Fahrerlager mit hoher Ausstrahlung und großen Selbstbewusstsein. Selbst Bernie Ecclestone hatte seine Erlebnisse mit Schatz. Ebenso unvergessen, so berichteten viele Zeitzeugen der 70er Jahre, war seine militärisch-patriarchische „Unternehmensführung“ einer Rennveranstaltung. Diese ging so weit, dass auch Schatz bewusst war, das ihn einige Fahrer und Teamchefs hassten: „Ich weiß, dass mich viele verfluchen“ vertraute Schatz dem Journalisten Rainer Braun an. Jedoch war ihm Preußische Disziplin und Ordnung, aber auch Fairness zeitlebens sehr wichtig! Seine Freunde und Mitstreiter beschreiben ihn daher als grundehrlich, unbestechlich, gradlinig und hundert Prozent korrekt. Ebenso kontrollierte Schatz persönlich jedes wichtige aber auch unwichtige Detail und bestimmte im Zweifelsfall persönlich über eine Problemlösung.
 
Karriere neben dem Motorsport
Es gab aber nicht nur den Rennsportler Schatz. Seine zwei anderen Leidenschaften waren der Bogensport und das Golf-Spiel. Bei ersterem formulierte Schatz 1978 in einem Restaurant auf dem Rücken einer Speisekarte die Gründungsformalitäten des „Mayener Bogenschützenvereins“ und trieb direkt 1700 DM von den 17 Gründungsmitgliedern ein. Zwischen 1990 und 1994 stieg er dann gar zum Präsidenten des Deutschen Bogensport Verbandes auf. Bei seinem zweiten Hobby war er ebenfalls im Vorstand seines Golfclubs in Hillesheim aktiv. 

Auch im Karneval war Schatz mittendrin statt nur dabei Als „Prinz Alfred I“ regierte er mit seinem Hofstaat die Session 1981/1982 über seine Eifelstadt Mayen. Immer dabei war auch seine Frau Margret. Sie fungierte als Page an der Seite ihres Mannes. 
Wer eine solche Biografie hat, kann sich Auszeichnungen nicht erwehren. Ob nun die ADAC-Ehrennadel in Gold mit Brillanten, die Ewald-Groth-Medaille, die Bundeswehr-Verdienstkreuze in Bronze, Silber und Gold oder aber der Verdienstorden des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Eine solche Lebensleistung kann eigentlich nicht hoch genug gewürdigt werden. Schatz nahm jede Verantwortung an und kämpfte immer an der Front für seine Interessen. 
Eines ist sicher. Ob nun bei Freunden oder den ehemaligen „Rivalen der Piste“: Der Sport im Allgemeinen aber auch die Gesellschaft verlieren einen unvergesslichen Menschen. Einen Menschen der nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Eine Person die viel für den Sport und seine Stadt, ja gar seinem Land getan hat. Selbst der Nürburgring wäre heute sicher nicht das was er ist. Der Truck Grand Prix ist mit die wichtigste Veranstaltung des Jahres. Ebenso waren zu Formel-1-losen Zeiten seine Veranstaltungen eine echte Überlebensgarantie. 
Alfred „Ali“ Schatz, der seine Frau Margret sowie Tochter Petra mit Ehemann und Ford-Händler Hermann Wagner und Enkel Florian hinterlässt, wird am kommenden Montag in Mayen zu Grabe getragen. RS

 

 

Kreuz


Alfred "Ali" Schatz


*   3. Oktober 1938

†   21. April 2013

 

 

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