!NS!DE-RAC!NG diskutiert: Braucht die Formel 1 einen zweiten Reifenhersteller?

Ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Woche geht es um die strittige Frage, ob Pirelli weiterhin der einzige Reifenhersteller in der Formel 1 sein soll.

!NS!DE-RAC!NG diskutiert: Braucht die Formel 1 einen zweiten Reifenhersteller?

von Michael Zeitler und Daniel Geradtz

Ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Woche geht es um die strittige Frage, ob Pirelli weiterhin der einzige Reifenhersteller in der Formel 1 sein soll.

| Mailand (!NS!DE-RAC!NG) - Im Jahr 2011 ging es für Pirelli gleich von null auf 100. Man kehrte in die Formel 1 zurück, wo man gleich als einziger Reifenlieferant fungierte. Mit der Ablösung von Bridgestone ging eine andere Herangehensweise einher. Die Pneus sollten fortan anders konzipiert sein und einen wesentlichen Bestandteil zur Spannung des Rennens beitragen. Wie sich die Situation bei einem weiteren Hersteller verändern würde, versuchen wir einmal zu abzuwägen.


ProMichael Zeitler: Die Zeiten haben sich verändert.

Ich hab‘ mich gefreut, als es mit Bridgestone nur noch einen Reifenhersteller gegeben hat. Warum? Die Reifen machten einfach den größten Unterschied. Da konnte man die besten Fahrer haben, das beste Auto entwickelt haben – aber wenn die Konkurrenz einen besseren Reifen hat, war alle Arbeit für die Tonne. Vor allem aber: Der Reifenkrieg wie zuletzt zwischen Bridgestone und Michelin verschlang Unsummen an Gelder und gefährdete damit auch die Existenz vieler Teams. Gerade die Topteams testeten fast schon jede Woche – fast nur der Reifen wenig.

Aber: All diese Vorzeichen haben sich geändert: Inzwischen sind die Testfahrten Gott sei Dank stark eingeschränkt worden. Und wenn es jetzt dann auch noch eine Budgetdeckelung gibt (derzeit deutet allerdings nichts daraufhin), dann wären Rahmenbedingungen geschaffen, damit auch verschiedene Reifenhersteller gegeneinander in Konkurrenz treten können.

Und genau darauf sollte es doch in der Königsklasse des Motorsports ankommen: Wettbewerb. Dann würden auch Kaugummi-Reifen wie jetzt von Pirelli, die einfach bald in die Knie gehen, der Vergangenheit angehören. Dann hätten wir wieder richtige Rennreifen, keine Showelemente mehr. Und dann könnten die Fahrer auch wieder Racing betreiben – und nicht den Großteil des Rennens aus Sorge um die Haltbarkeit der Pneus auf Schongang fahren.

 

ProDaniel Geradtz: Pirelli erfüllt die Forderungen.

Zunächst sei einmal das gesagt, was nach jedem Rennen formuliert wird. Pirelli macht genau den Job, der von den Italienern gefordert wird. Die FIA hat zusammen mit dem Rechtevermarkter FOM die Prämisse gestellt, dass der Reifen unberechenbarer sein sollen als es in der Vergangenheit der Fall war. Der daraus resultierende Leistungsabfall soll den Teams in Zeiten des Tankverbots einen gewissen strategischen Handlungsspielraum und darüber hinaus einen spannenden Rennverlauf bieten.

Es liegt also nicht an der Kompetenz von Pirelli, sondern schlichtweg an den Regeln, dass die Situation heute so ist, wie sie ist. Käme ein zweiter Hersteller hinzu, gäbe es im großen und ganzen zwei Varianten. Entweder bleibt die Substanz der Pneus in der aktuellen Form erhalten oder man geht wieder zurück auf eine längere Haltbarkeit. Dazu bedürfte es allerdings nicht einmal einen zweiten Lieferanten. Auch in der aktuellen Situation könnten beide Fälle realisiert werden. Es müsste nur entsprechend im Regelwerk festgelegt sein, das den einen oder anderen Sachverhalt vorgibt.

In der Formel 1 wurde sich für einen einheitlichen Reifenhersteller entscheiden, weil man der Meinung war, dass der Reifen keinen zu großen Einfluss auf das Renngeschehen haben dürfe. Aber genau dieser Fall ist seit einiger Zeit eingetreten. Es muss ein Spagat geschaffen zwischen Haltbarkeit und Spannung geschaffen werden. Den zu schnell entsteht für Laien der Eindruck, dass es ausschließlich an Pirelli liege, dass die Reifen schnell einbrechen. Das ist vor allem für die Reputation der Marke nicht förderlich.

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