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Serie: Formel-1 - Amerikanische F1-Teams: 10. Shadow

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Formel-1 - Amerikanische F1-Teams: 10. Shadow

von Michael Zeitler

Der Schatten des Shadow-Teams war der Tod von Tom Pryce. Aber auch ansonsten gab es trotz guter Fahrer nur wenige Erfolge.

| Charlotte (!NS!DE RAC!NG) - Stolze 103 F1-Rennen bestritt das Shadow-Team im Rahmen der F1-Weltmeisterschaft. Auf so viele Rennen kommt kein anderes amerikanisches GP-Team. Kaum zu glauben, aber Penske auf Rang 2 kann nur 33 Rennen aufzählen, All American Racers kommt gar nur auf 27 WM-Rennen. Immerhin eines dieser 103 Rennen konnte Shadow, zu Deutsch Schatten, gewinnen: Beim Österreich GP 1977 gewann der Australier Alan Jones, der 3 Jahre später mit Williams F1-Weltmeister wurde, im Shadow Ford vor Lokalmatador Niki Lauda im Ferrari und dem Deutschen Hans-Joachim Stuck im Brabham Alfa Romeo. Ähnlich wie bei All American Racers ist auch Shadow nur die Bezeichnung für die Rennwagen des Teams, der Teamname lautet eigentlich Advanced Vehicle Systems. Wegen diesen eigenartigen Namens wird das Team aber allgemein gerne als Shadow bezeichnet.

Gegründet wurde das eigenartige Team von einem noch eigenartigeren Charakter (CIA-Agent in Japan): Don Nichols. Der US-Amerikaner vertickerte in Japan Goodyear- und Firestone-Reifen und baute Rennstrecken, bevor er Ende der 60er Jahre seinen Rennstall aus der Taufe hob. Von F1-Rennen träumte Nichols damals noch nicht: Sein Ziel war der Titel in der amerikanischen Sportwagenserie CanAm. Das Team wurde in Kalifornien angesiedelt und beauftragte Trevor Harris mit dem Bau eines CanAm-Bolidens. Erfolge blieben allerdings aus. Für die Saison 1973 kündigte Nichols den Einstieg in die Formel-1 an und stellte ein schlagkräftiges Team zusammen: Tony Southgate wurde als Konstrukteurs des F1-Shadow Ford DN1 angeheuert. Jackie Oliver und George Follmer, die beide schon in der CanAm für Shadow fuhren, wurden als Fahrer engagiert. Und als Teamchef kam Alan Rees von March. Rees blieb bis 1977 bei Shadow, dann gab es innere Zerwürfnisse im Team und Rees packte einige Mitarbeiter zusammen und gründete das Arrows-Team. Was dann passierte, war ein herrlicher Rosenkrieg, wie bei einer Scheidung: Rees und sein Team konstruierten den Arrows-Boliden mit Konstruktionsplänen, die sie von Shadow mitnahmen, Nichols ging selbstverständlich dagegen vor und gewann den Streit.

Trotz dieses Sieges abseits der Rennstrecke war die Trennung mit Rees der Anfang vom Ende: Die folgenden beiden Jahren hielt man sich eher schlecht als recht in der Formel-1 und mit der Zeit verlor Nichols auch das Interesse am Team. Nichols trat es an einem ebenso zwielichtigen Besitzer weiter, wie es Nichols selbst war: Teddy Yip. Schon in Sachen Nationalität ist Yip kein einfacher Fall: Geboren auf der indonesischen Insel Sumatra, zog er bald nach Holland, kehrte der Oranje aber später wieder den Rücken und ließ sich in Hongkong und Macau nieder. In den 70er Jahren war Yip in mehreren F1-Teams involviert, darunter auch bei Ensign. Zweimal gründete er dabei ein eigenes Team, das Theodore-Team. Erstmals fuhr das Team 1977 und 1978, dann eben machte Yip aus dem Shadow-Resten neuerlich ein Theodore-Team – mit seinen Partnern Sid Taylor und Julian Randles, der heute Teammanager im A1 GP Team von Malaysia ist. Nur 3 Jahre überlebte das Team, das sich auch noch mit Ensign zusammentat.

Zurück zum Shadow-Team: Beim Südafrika 1973 stieg Shadow mit Oliver und Follmer (ein US-Amerikaner) also in die Formel-1 ein. Follmer beendete das erste Rennen auf dem 6. Platz. Follmer, der 1971 in einem King Offenhauser für das Spirit-of-Indianapolis-Team mit Platz 15 sein bestes Resultat im Indy 500 einfuhr, konnte sich beim Spanien GP sogar noch steigern: Hinter Lotus-Ford-Pilot Emerson Fittipaldi und Tyrrell-Ford-Chauffeur François Cevert hüpfte er als 3. aufs Podium. Doch die Marschrichtung für die restliche Saison gab eher Teamkollege Oliver vor: 2. Ausfall im 2. Rennen. Erst gegen Ende der Saison kamen die Shadow-Ford-Piloten regelmäßig ins Ziel und beim GP von Kanada zeigte Oliver, dass auch er in der Lage ist, aufs Podium zu fahren. Auch er wurde 3.

Für die Saison 1974 verpflichtete Shadow Jean-Pierre Jarier und Brian Redman – beides waren keine US-Amerikaner. Redman allerdings eroberte wenig später den amerikanischen Motorsportmarkt, als er für das Team von Carl Haas mehrere Titel in der amerikanischen Formel-5000 gewann. Redman fuhr allerdings nicht lange für Shadow: Der später Teilhaber des Redman-Bright-F3000-Teams wurde nach dem Monaco GP erst durch Bertil Roos, dann schließlich durch Tom Pryce ersetzt. Die Fahrerpaarung Jarier-Pryce blieb auch bis Ende 1976 bestehen, fallweise fuhren beide auch 1977. Ausgerechnet als Redmans GP-Karriere in Monaco zu Ende ging, sicherte sich Jarier als 3. den einzigen Podestplatz für Shadow in der Saison 1974. Ansonsten trat der Rennstall auf der Stelle, musste viel zu oft Ausfälle einstecken und konnte nur ganz selten Glanzpunkte setzen.

Die meisten F1-Rennen für Shadow
1. Jean-Pierre Jarier (FRA): 44 (1974-’77)
2. Tom Pryce (GBR): 41 (1974-’77)
3. Jackie Oliver (GBR): 14 (1973/’77)
4. Alan Jones (AUS): 14 (1977)
5. Elio de Angelis (ITA): 14 (1979)
6. Hans-Joachim Stuck (GER): 13 (1978)
7. George Follmer (USA): 12 (1973)
8. Jan Lammers (NED): 12 (1979)
9. Clay Regazzoni (SUI): 11 (1978)
10. Riccardo Patrese (ITA): 8 (1977)

Shadow blieb 1975 der eigenen Linie treu: Viele Ausfälle, nur wenig Zielankünfte und noch viel weniger Highlights. Beim Österreich GP fuhr Pryce immerhin auf Rang 3. Erwähnenswert noch: Jarier setzte bei den letzten 3 Rennen einen Matra-Motor ein, der allerdings alles andere als zuverlässig war. Über den Winter gab es Diskussionen über die Fahrerpaarung: Ronnie Peterson und Tom Pryce, so wurde spekuliert, sollten Cockpits tauschen, also Peterson zu Shadow, Pryce zu Lotus. Der Transfer blieb aus Pryce und Jarier fuhren 1976 weiter für Shadow. Dabei war der Shadow Ford DN5, sowie der DN5B wesentlich zuverlässiger: Nur noch 8 Ausfälle während der Saison, so gut war Shadow nicht. Zur damaligen Zeit waren 8 Ausfälle in einem Zwei-Wagen-Team der normale Schnitt. Das obligatorische Podest gab es für Shadow auch ’76: Pryce wurde beim Saisonauftakt in Brasilien 3.

Franco Ambrosio kam 1977 als Teilhaber ins Team und brachte dem Italiener Renzo Zorzi ein Cockpit. Zorzi bekam das Cockpit von Jarier, Pryce blieb an Bord – aber nur für die ersten 3 Rennen, dann gab es eine Tragödie: Den Südafrika GP überlebte Pryce nicht. Nun sind tödliche Unfälle immer grausam. Aber einige Unfälle sind besonders grausam. So wurde Helmut Koinigg von Leitplanken geköpft. Man kann sich also streiten, welcher Unfall grausamer war, jener des Österreichers, oder jener von Pryce. Der Auslöser der Tragödie war ein Motorschaden bei Pryces Teamkollegen Zorzi. Zorzi parkte seinen Shadow Ford neben der Strecke. Sein Bolide spuckte kurzzeitig Flammen, deshalb eilten 2 junge, unerfahrene Streckenposten mit einem Feuerlöscher zu Zorzi. Das Ganze passierte an einer denkbar ungünstigen Stelle, nämlich hinter einer Kuppe. Als die beiden die Strecke überquerte konnte Hans-Joachim Stuck im March Ford gerade noch ausweichen, Pryce schaffte das nicht mehr. Er erfasste den 19-Jährigen Streckenposten Frederik Jansen Van Vuuren bei voller Fahrt. Natürlich hatte er keine Überlebenschance, aber auch Pryce überlebte den Zusammenprall nicht, denn der Feuerlöscher in den Händen Van Vuurens knallte mit voller Wucht gegen den Helm von Pryce und schlug in KO. Regungslos saß Pryce im Boliden, der noch immer 200 km/h schnell war und erst hunderte Meter weiter zum Stehen kam, als er mit dem Ligier von Jacques Laffite kollidierte. Laffite blieb unverletzt, aber Pryce konnte nicht mehr lebend geborgen werden.

Nach dem Verlust von Pryce verpflichtete Shadow einen namhaften Ersatz: Alan Jones. Der talentierte Australier wurde 1980 mit Williams F1-Weltmeister. Aber auch bei Shadow ließ Jones sein Talent aufblitzen und gewann – wenn auch etwas glücklich – den Österreich GP. Zorzi wurde zudem 2 Rennen später gegen Riccardo Patrese eingetauscht. Der Italiener fuhr aber parallel dazu für Trivellato in der Formel-2 und setzte so auch gelegentlich aus und wurde deshalb kurzfristig gegen andere Fahrer wie Arturo Merzario, Teammanager Oliver oder Jarier ersetzt. 1978 holte man sich mit Stuck und Clay Regazzoni eine komplett neue Fahrerpaarung. Daran lag es auch nicht, dass Shadow nun abstürzte. Plötzlich tat sich das Team schwer, sich für die Rennen zu qualifizieren. Shadow litt unter der Trennung einiger Teammitglieder, die ein eigenes Team namens Arrows gründeten. Zwei 5. Plätze verteilt auf beide Fahrer war das höchste der Gefühle 1978.

Ein 4. Platz im Saisonfinale konnte Shadow 1979 von einer totalen Punktlosigkeit bewahren. Elio de Angelis erzielte diese Platzierung. Teamkollege war Jan Lammers. 1980 stürzte das Team komplett ab. David Kennedy, heute Teilhaber im irischen A1 GP Team, konnte sich gar nie qualifizieren, Geoff Lees nur für ein Rennen. Beim Südafrika GP wurde er 13. Nach dem Frankreich GP sperrte Don Nichols den Rennstall zu.

Shadow fuhr neben der CanAm übrigens auch in der amerikanischen Formel-5000. 1975 fuhren Jackie Oliver und fallweise auch Jean-Pierre Jarier einen Shadow Chevrolet für Phoenix Racing. In Elkhart Lake wurde Oliver dabei 2. und musste sich nur Mario Andretti geschlagen geben, der für Parnelli Jones einen Lola Chevrolet fuhr. 1976 bekam der Renner einen Dodge-V8-Motor ins Heck und gewann mit Oliver prompt das Rennen in Elkhart Lake. 1996 gab es Gerüchte, wonach Nicholas das Shadow-Team beim 24 Stundenrennen von Le Mans wieder an den Start bringen wollte, mit Norma-Chassis und Porsche-Motoren. Bei Norma war Nichols von 1990 bis 1995 Teilhaber. Der Franzose Norbert Santos gründete die Chassisschmiede.

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